Bühne frei oder: Die Zukunft des Theaters

von Albert Ostermaier
mit Franziska Hackl, Robert Dölle und Albert Ostermaier

Video




Grüße Grüße 

von Albert Ostermaier und Friedrich Ani

für Raimund Fellinger
er lebte mit dem bleistift

der text war sein körper
die haut das herz ein buch
 
das er seine autoren
vollschreiben liess mit
ihren gebieten und nahm
ihnen mit seiner korrektur
die angst er war ein
geher zwischen
den zeilen las spuren
und alle schatten auf er
konnte lesen wie es
keiner mehr kann
atmete buchstaben
holte aus ihnen die zweite
luft striche waren seine
sätze die er uns mitgab
er ist die stimme
beim schreiben ich
werde weiter auf ihn hören
und vielleicht zündet er
jetzt nach all den jahren
sich eine gitanes an und
schüttelt leicht den kopf
grüss, grüsse waren stets
seine abschiedsworte jetzt
geht er weiter im text
sein leben unser roman,
meiner, scheint mir
heute mehr als je,  begann
mit seinem ersten
bleistiftstrich,  er strich
nichts durch, berührte
bloß den saum des
satzes, behutsam wie die
finger der künstlerin heilige saiten, ha!,
heilig, herr a.?
gestrichen! und ausrufezeichen
zerschellten an deinem
stift, ach,  und: duzen
durften dich wenige, du?
lass uns Sie
sagen und von vorn
beginnen




interpunktion 


was spricht dich
gesund ein wort
steckt das andere an
bis es in klammern
steht der doppelpunkt
isoliert ich lebe
in anführungszeichen
das komma wartet
alleine was kommt
das du oder die
quarantäne drei
punkte am ende
jedes satzes nach vorne





Ideentheater 


man hat keine idee
eine idee hat einen
sie fällt ein überfällt alle
gedanken fällt auf den
boden der tatsachen
aber steht wieder auf
steht auf träumt sich in
die wirklichkeit hält
stand gegen den wind
die zweifel gibt nicht auf
nimmt ihren lauf rennt
gegen alle einwände die
wände sturm mit dem kopf
was keiner gewagt hat zu
denken das unglaubliche
zu glauben für das unerhörte
jetzt alles
überhören nur auf sein herz
hören es fassen da es schlägt
voran keine idee wie ohne
eine idee zu leben den blanken
schimmer was bildest du dir
ein das vorstellbare für das man
bar bezahlt die idee vor die
man ich du sich stellt der man
den rücken stärkt mit flügeln
und einem segel vor der stirn
der brust für den zweiten atem
die dritten luft befeuert aus
der asche die flamme jeden
zu entflammen mit einem wort
einem satz über alles trennende
hinweg der horizont dort der sich
krümmt wie ein stab vor dem
sprung über die latte die nicht
hoch genug hängen kann spring auf
herz und augenhöhe leben lieben
die idee das alles möglich ist was
nach der frage deine antwort ist
die widersprüche für den zuspruch
rüsten sich nichts absprechen und
ausreden wir schaffen das lass
die ideen einander eine szene
nach der anderen machen bis
alles theater ist ein theater der
ideen und die welt eine bühne
wo du dürfen darfst und alles
ausprobieren bis es notwendig ist
und der blick wechselt im augenblick
denn nur wo er spielt ist der
mensch ganz mensch du ein
gedicht das sich weiterspricht eine
welle die bricht aber dich nicht
weil sie dich auf ihre schäumenden
schultern nimmt und trägt die idee
bis sie uns alle erfasst der mut sie
wahr werden zu lassen bis sie frei
ist